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Wanderweg im Herzen Schwedens

Sonnenuntergang am einsamen Siljansee
Von Nadine Bresinsky
Der Wanderweg Siljansleden umrundet mit etwa 340km Länge den Siljanssee in Schweden. Lang genug für mich, um ein paar Tage seinem Pfad durch die Einsamkeit zu folgen!
Ausgerüstet mit reichlich Proviant, einer Wanderkarte und viel Enthusiasmus beginne ich mein kleines Abenteuer am Bärenpark in Grönklitt, etwa 2 Busstunden von Mora und seinem Bahnhof entfernt. Die Anfahrt von Stockholm bis hierher verlief ohne Probleme und so bin ich zuversichtlich, dass ich auch die nächsten 5 Tage gut allein zurecht kommen werde.
In bestimmten Abständen säumen den Weg kleine Hütten, ausgerüstet mit Feuerholz und immer in der Nähe von Wasser – so beschrieb es mir zumindest die Touristeninformation in Mora. Nun ja, ich werde es ja sehen…!
Jetzt im Moment zeigt sich mir der Siljansleden auf jeden Fall freundlich, die Sonne scheint und die orangenen Wegmarkierungen sind gut zu finden. Schon nach wenigen Metern habe ich nichts anderes mehr um mich als die entspannte schwedische Natur. Alles bewegt sich im gleichen Rhythmus und ich fühle mich trotz meines schweren Rucksacks so richtig entspannt. Ein paar Apfel-Mahlzeiten später jedoch stellt sich mir das erste größere Hindernis in den Weg, d.h. eigentlich fließt es an mir vorbei. Ein breiter Fluss ist über seine Ufer getreten, für mich heißt das durchs Wasser waten und – nasse Schuhe! So ungefähr behalte ich die Richtung zur Brücke bei, während ich mich schwitzend an dichten Büschen vorbeischiebe. Doch dann ist es geschafft, Holzplanken bieten mir wieder festen Boden und ein lautes Freuden-Juhuu schenke ich dem tosenden Fluss unter mir. Ich bin hier ganz allein und das ist so spannend!
Aber die Freude an dieser Spannung geht mir irgendwo zwischen der sonnigen Brücke und dem nächsten Wald verloren. Ich finde keine Wegmarkierungen mehr, immer häufiger ist der Pfad überschwemmt, die nassen Socken reiben mich wund. Der vorher als so lang empfundene Tag hat plötzlich nur noch ein paar Stunden, die Sonne verschwindet langsam. Erschöpft bin ich, das Alleinsein ist nun gar nicht mehr so toll… Wurzeln scheinen sich mir schelmisch in den Weg zu stellen, als ich doch endlich ein Häuschen zwischen den dunklen Bäumen entdecke. Das muss die erste Hütte sein! Eine Welle der Erleichterung überkommt mich beim Anblick des rauchenden Kamins, ich klopfe an die Tür und finde mich inmitten einer Gruppe von Pfadfindern wieder – aus Pforzheim!

Selbstversorgerhütte
Das ist ein überraschtes Hallo und schnell stellen wir fest, dass wir den Siljansleden in die gleiche Richtung laufen. Soviel also vorerst zum Thema Einsamkeit in der Wildnis, aber richtig böse bin ich deswegen nicht. Die kommenden 2 Tage bilden wir eine nette Gruppe. Gemeinsam erklimmen wir verbrannte Abhänge, bauen Behelfsbrücken aus Ästen, erfreuen uns am Anblick schwedischer grüner Täler und teilen unsere Nudelvorräte. Der ein oder andere Unterricht im Holzhacken wird mir zuteil und Schwedens wunderbare Natur begleitet uns überall mit ihren dunkelgrünen, intensiv duftenden Wäldern und den bemoosten Felsbrocken, die noch aus der Eiszeit zu stammen scheinen.
Doch dann trennen sich unsere Wege. Die Einsamkeit von Schwedens Wildnis hat mich wieder für sich, denn die Pfadfindergruppe muss zurück in die Zivilisation. So hüpfe ich nun also allein weiter über Bäche, klettere durch Dickicht, verfluche das Gewicht meines Rucksacks. Doch die Freude am Alleinsein überwiegt, wie eine Abenteurerin auf fremden Kontinenten fühle ich mich – auch wenn die Mücken nur allzu europäisch sind. Absolute Entspannung macht sich in mir breit und ungeniert genieße ich ein Bad im doch recht kalten Flusswasser. Nichts als Elchhinterlassenschaften und eingebildete Bären kreuzen meinen Weg und wie ein kleines Kind bewundere ich das abendliche Feuer, das ich ganz allein entfacht habe – hier in Schwedens Einsamkeit und in meinem Herzen.
Kategorie: Trekking | Tags:
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