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Von Kletterpartien und gefletschten Lefzen– unterwegs auf dem Lykischen Weg
Der Lykische Weg – Einsamkeit und Natur pur
Von einlassen
Seit der Lykische Weg auf der türkischen Halbinsel zwischen Fethiye und Antalya zu einem der zehn schönsten Weitwanderwege der Welt gekürt wurde, erfreut er sich ständig wachsender Popularität. Auch ich kann mich seit März diesen Jahres der allgemeinen Begeisterung nur anschließen. Doch bei aller, vielleicht auch romantischer Leidenschaft für die wilde Einsamkeit und die Möglichkeit kultureller Entdeckungen – es wird mir doch zu wenig über die Herausforderungen berichtet, die am Rand dieses verschlungenen Pfades entlang der strahlend blauen Buchten des Mittelmeeres lauern.
Die einschlägige Literatur enthält zwar ein paar Hinweise über die Abgeschiedenheit einiger Abschnitte – insbesondere zwischen Kas und Finike sowie am Kap Gelidonia – aber dass ich bereits drei Stunden nach meinem Aufbruch in Kas durch die dornigen Sträucher irren würde, bloß um die rettende weiß-rote Markierung zu entdecken, hatte ich nicht erwartet. Wo war denn nun die überall gepriesene durchgehende Kennzeichnung? Ich verfluchte mehrmals meine naive Eingebung, außerhalb der touristischen Saison hier zu wandern, denn dann wird die Suche nach dem richtigen Pfad auch mit Kompass und Karte mitunter sehr schwer. Und Einheimische sind um diese Jahreszeit ebenfalls selten zu sehen. Aber o Wunder, es ging tatsächlich immer weiter.
Zu den Anforderungen des Lykischen Weges ist außerdem zu bemerken, dass ich ohne Übertreibung einige Stellen als ernsthafte Kletterei bezeichnen würde! Ich bin ein leidenschaftlicher Kletterer, doch fünfzig Meter über der tosenden Brandung auf einem schulterbreiten Band in die Steilwand hinein zu queren, mit 30 kg auf dem Rücken, bröckelndem Gestein unter den Bergschuhen, die Hände an einen Busch geklammert – das ließ mich doch nach einem Seil sehnen. Mit eiserner Ruhe und erheblicher Trittsicherheit ist das alles zu bewältigen, aber eine Warnung hätte meine Entscheidung zum Alleingang zweifellos beeinflusst.
Typischer Küstenpfad – für Trittsichere ein Genuss
Das bringt mich zu einem weiteren Aspekt dieses wirklich tollen Weges, der in der bekannten Lektüre sträflich vernachlässigt oder völlig ignoriert wird – die Existenz von gigantischen Hirtenhunden. Klar, die halb nomadische Lebensweise der Einheimischen mit ihren Ziegen und Rindern auf der lykischen Halbinsel lässt den Schluss zu, dass ihre Herden auch mit Hilfe meist großer Hunde zusammen gehalten werden. Niemand hat mich jedoch gewarnt, dass diese Hunde bewusst auf aggressive Abwehr von Gefahren trainiert sind! Wie macht man denen bitte den Unterschied zwischen friedlichen Wanderern und beispielsweise bösen Wildschweinen klar?
Glück hat, wer im freien Gelände auf einen frei laufenden Hund trifft und über das böse, tiefe Knurren hinweg einem Hirten ein sehr lautes, freundliches „Merhaba“ zurufen kann, in der Hoffnung, dieser nette Hirte rufe anschließend auch seinem Hund etwas Freundliches zu. Pech hatte ich im Dickicht, als plötzlich zwei Meter vor mir ein Bernhardiner grollend klar machte, hier sei er zuständig. Definitiv. Oder wenn nachts beim Kochen vor dem Zelt ein Mastiff mit gefletschten Zähnen zum Sprung ansetzte, auch gegen meine beruhigend geflüsterten türkischen Vokabeln. Irgendwo ist eben die Herde in Gefahr.
Ich bin nicht gebissen worden. Aber zweimal rettete mich nur die Flucht auf einen nahe gelegenen Baum, bis dem Hund auch ein Mensch folgte. Das kann nachts lange dauern. Langsames Gehen rückwärts half mir ebenfalls des öfteren, allerdings ist dann auch der weitere Weg versperrt. Viel defensive Geduld und robuste Nerven sind deshalb in den abgelegenen Teilen lebensnotwendig. So ein Hundebiss kann das Weiterkommen nämlich durchaus beeinträchtigen – kein schöner Gedanke, wenn man allein unterwegs ist.

Keine Angst vor Kletterpartien!
Kurzinfo Lykischer Weg
Gesamtlänge: 509 km, zwischen Fethiye und Antalya entlang der Küste der Halbinsel Lykien in der südlichen Türkei
8 Etappen (nach Hennemann): nur Strecke zwischen Kas und Antalya
jede Etappe ca. 3-5 Tage, zum Teil sehr abgelegen
Anforderung: solide Outdoor-Erfahrung, Selbstversorgung, Trittsicherheit, Ausdauer, ein paar türkische Vokabeln
Wichtig: ausreichend Essen, Kocher + Brennstoff und Wasservorrat (ca. 4 Liter pro Person)
Anreise über Antalya, dann zum gewünschten Start bzw. Einstieg weiter mit dem Bus. Tipp: auf Verkehrsverbindungen am Ziel achten!
Übernachtung im Zelt oder in den Pensionen der Dörfer (ca. 60% der Strecke möglich) – Tipp: Saisonzeit berücksichtigen!
Literatur: Kate Clow, Terry Richardson: Der Lykische Pfad: Der Erste Fernwanderweg der Türkei, Upcountry 2005, ISBN 0-9539218-3-2 Michael Hennemann: Türkei: Lykischer Weg. Der Weg ist das Ziel., Stein (Conrad), 2. Auflage Welver 2009, ISBN 978-3-86686-171-8
Kategorie: Trekking | Tags: Küstenweg,lykischer Weg,Trekking,Türkei
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