• Spanien anders: Trekking in der Sierra Nevada

    Querfeldein in Spaniens Bergen

    Querfeldein in Spaniens Bergen

    Von moritzboldt

    Die Sierra Nevada ist ein vielen unbekannter, aber dennoch für jeden Anspruch sehr reizvoller Nationalpark in der Provinz Andalusien im Süden Spaniens. Seine bis in den Frühsommer hinein mit Schnee bedeckten Gipfel, die bis zu 3400m in den Himmel ragen, ziehen nur von Juni bis September Touristenscharen an. Der Park, für den es gute topografische Karten gibt, bietet sich seiner geringer Größe wegen auch ideal zum Verlassen der ausgewiesenen Pfade an. Ein großes Problem jedoch – und das mussten wir schmerzlich erfahren – stellt ein akuter Wasserengpass in vielen Teilen des Parks dar.

    Wir scheinen vom Pech verfolgt! Seit nunmehr zwei Stunden stehen Jonas und ich mitten in der Nacht an der dunklen Landstraße am Ortsausgang von Orgiva und halten wenig motiviert ein Schild, auf das „Trevèlez“ gekritzelt ist, in die Höhe. Dass wir überhaupt hier und nicht in unserem Zelt in den Bergen sind, verdanken wir der Schneegrenze, die, unüblich für Ende März, die Überquerung eines Bergrückens unmöglich gemacht hatte. Nach vier Tagen, die wir abseits aller Wanderpfade getrekkt waren, mussten wir auf 2500 Metern umkehren. Wir hatten so manche Nacht bitterlich gefroren und waren einmal nach übermütigem Obstlerkonsum fast eine steile Nordwand herabgestürzt. Dann erreichten wir wieder Granada, jene vibrierende, wunderschöne Studentenstadt, die uns schon vier Tage zuvor als Ausgangspunkt unseres Trekks gedient hatte. Und nun also hoffen wir, irgendwann den zweiten Teil unseres Trekkings in Trevèlez beginnen zu können.

    Endlich hält ein Auto. Der Fahrer bietet uns eine Mitfahrgelegenheit bis 4 km vor Trevèlez an. Pablo ist uns mit seiner herzlichen Art sofort sympathisch und so nehmen wir sein Angebot, sogar bei ihm zu übernachten, begeistert an. Nachdem wir sein Auto unter Zweigen am Straßenrand versteckt abgestellt haben, führt er uns durch die sternenklare Nacht 30 Minuten lang auf einem kaum auszumachenden Pfad zu seiner Hütte in den Bergen. Wenig später sitzen wir in seiner komplett selbstgebauten Steinhütte am lodernden Kamin. Wir verbringen einen unvergesslichen Abend mit Reisegeschichten und selbst gebranntem Kräuterschnaps.

    Pablos selbstgebaute Hütte

    Pablos selbstgebaute Hütte

    Am nächsten Morgen verlassen wir nach einem ausführlichen Frühstück das Idyll. Schnell wird uns klar, dass das Querfeldeinwandern kein Kinderspiel werden wird. Wir müssen uns den Weg durch Dornengestrüpp bahnen, einen Fluss überqueren und mit dem beschwerlichen Anstieg von 600 auf 2600 Meter beginnen – mit 23 kg im Rucksack kein Spaß. Unser Plan ist es, weglos den Berghang bis zum Gipfel heraufzuklettern, anschließend den Gipfelkamm entlang zu wandern und schließlich zwei oder drei Tage später, wenn uns die Vorräte ausgehen, in das selbe Tal herabzusteigen.

    Als wir uns mittags mit Serrano-Schinken und trockenem Weißbrot stärken, sind wir der ersten Katastrophe nur knapp entronnen. 200 Meter oberhalb des Flusses gab uns ein Bauer hektisch winkend zu verstehen, dass wir uns gerade auf der Weide seiner Zuchtstiere befänden. In Spanien sollte man eben doch ein wenig vorsichtiger beim Kreuzen von Rinderweiden sein.

    Schritt für Schritt kämpfen wir uns den Berg hoch. Die knallende Sonne lässt uns bereits gegen Nachmittag alle Wasserreserven verbraucht haben. Nun stellen wir zum ersten Mal verbittert fest, dass die Sierra Nevada zwar Vieles zu bieten hat, nicht aber viele Flüsse und Bäche…

    Zwei Tage später schmelzen wir vor unserem Zelt sitzend braunen Schnee für unsere Fertignudeln und gehen missmutig schlafen. Konnten wir am Vortag unsere Flaschen noch in einer Viehtränke auffüllen, so sind nun oberhalb der Baumgrenze weder Wasser noch Feuerholz zu finden. Das Wetter hat zugezogen und die Temperaturen sind auf weit unter Null gefallen. So fällt uns zumindest die Entscheidung, am vierten Tag den Rückweg anzutreten und damit abermals schon früher als geplant den Heimweg anzutreten, nicht besonders schwer. Wir steigen das steile Tal hinab und finden schließlich den offiziellen Wanderweg. Es tut gut, nicht mehr bei jedem zweiten Schritt auf dem wackeligen Geröll umzuknicken und alle 100 Meter anhalten zu müssen, um per GPS die Position zu bestimmen.

    Schließlich, nach fünf anstrengenden und erlebnisreichen Tagen, erreichen wir das wunderschöne Bergdörfchen Trevèlez und erfreuen uns an einer warmen Dusche und gutem Essen im einzigen Hotel des Dorfes.

    Einsamkeit abseits der Wege

    Einsamkeit abseits der Wege

    Kurzinfo: Trekking in der Sierra Nevada

    Trekks querfeldein mit Zelt, GPS, topografischen Karten, genug Wasser und ein wenig Erfahrung gut möglich. Auf den gekennzeichneten Wegen bringen einen mehrtägige Wanderungen und Tagestouren auf alle bekannten Gipfel des Parks. Die wenigen Hütten sind aber im Sommer überfüllt und außerhalb der Hochsaison meist geschlossen -> Zelt mitbringen!

    Anreise: Mit Air Berlin von 20 deutschen Städten nach Malaga. Dort per Bus in 2 Stunden nach Granada, von hier aus weiter zum Eingang des Parkes, z.B. mit dem Bus in 1 ½ Std. nach Trevèlez.

    Weiterführende Links:

    Wir haben nen spannenden Beitrag zu Trekking in Ägypten entdeckt