• Himalaya Klassiker: der Annapurna Trek

    Der Thorung Lah Pass auf 545o ü. n. N

    Der Thorung Lah Pass auf 545o ü. n. N

    Von moritzboldt

    Wer träumt nicht davon, die Gipfel des Himalaya einmal hautnah zu erleben? Für mich wurde dieser Traum in Form des berühmten Annapurna-Rundweges wahr. Auch wenn dieser Trek schon lange kein Geheimtipp mehr ist, hat er nichts von seiner Magie verloren.

    Pünktlich um 7 Uhr steht der Minibus vor unserem Hotel in Pokhara. Nachdem wir zwei Tage lang Träger, zahlreiche Ausrüstungsgegenstände sowie aktuelles Kartenmaterial organisiert haben, bringt uns der schrottreife Minibus ins 3 Stunden entfernte Besisahar.

    Normalerweise dient dieses hektische und schmutzige Nest, wo 50 Euro für die Wandergenehmigung gezahlt werden müssen, als Startpunkt. Seit einigen Jahren versucht die nepalesische Regierung jedoch, auch abgelegene Bergdörfer an das Straßennetz anzuschließen. Aus diesem Grund ist es uns möglich, die ersten beiden Tagesetappen entlang einer wenig einladenden Schotterstraße gegen zwei höllische Stunden im Jeep einzutauschen.

    Der eigentliche Trek beginnt für uns erst am nächsten Tag, als wir aus dem kleinen Dorf Ngadi in Richtung Chame aufbrechen. Wir haben die Straßen hinter uns gelassen und atmen die frische Bergluft. Der Pfad, den die Einheimischen schon seit Jahrhunderten zur Verbindung ihrer Dörfer pflegen, ermöglicht rasches Fortkommen. Wir haben Anfang April, also Hochsaison, und so treffen wir nicht nur auf Schafherden und Eselkarawanen, sondern immer wieder auch auf andere Wanderer. Nach 6 Stunden und 600 Höhenmetern erreichen wir unser erstes Etappenziel. Wie in allen Dörfern entlang des Rundweges, haben sich die Einheimischen hier längst auf den Tourismus eingestellt und nutzen ihn erfolgreich als Lebensgrundlage. So sind neben kleinen Kiosken, die Wasser, Snacks und Trekkingartikel anbieten, auch zahlreichen Gasthäuser entstanden.

    Küche eines typischen Gasthauses

    Küche eines typischen Gasthauses

    Schnell werden das Wandern, der atemberaubende Blick auf die bis zu 8000 Meter hohen Gipfel und das ständige Tragen des Rucksacks zum Alltag. Tag für Tag steigen wir das weite Tal höher herauf und erreichen nach vier Tagesetappen schließlich Manang. Von weitem betrachtet scheint die Zeit hier seit Jahrhunderten stehen geblieben zu sein, doch im Inneren des bislang größten Ortes findet man zwischen den mit Yak-Dung zusammengemauerten Steinhütten auch zahlreiche „Hotels“. Das alles tut dem Charme des Ortes jedoch keinen Abbruch, und so legen wir hier einen Tag Pause ein, um uns an die auf 3500 Metern über dem Meeresspiegel schon merklich dünnere Luft zu gewöhnen.

    Etwas erholt schnallen wir uns am Folgetag wieder die 15 Kilo schweren Rucksäcke auf. Angesichts der Lasten von bis zu 100 Kilo, die von einheimischen Trägern den Pass hinauf geschleppt werden, wagt es jedoch keiner, sich ernsthaft über das Gewicht zu beklagen. Wegen der drohenden Höhenkrankheit sollten ab einer Höhe von 3000 Metern nicht mehr als 500 Höhenmeter zwischen den Nachtlagern liegen. So dauert es weitere 2 Tage bis wir endlich das Basislager auf 4450 Metern erreichen. Trotz Tagestemperaturen von nur wenigen Grad über Null bleiben wir noch lange draußen, genießen die Sonne und das eindrucksvolle Panorama.

    Nur mit einer Suppe im Magen verlassen wir morgens um 4 Uhr das Basislager und steigen keuchend dem Thorung La Pass entgegen. Bei Sonnenaufgang erreichen wir das Hochlager, auf 4900 Metern die letzte Chance auf Verpflegung und ein Bett. Trotz der wärmenden Sonnenstrahlen kommen wir nur sehr langsam voran. Das Gehen in Schnee und Höhenluft ist mühsam. Auf 5200 Metern treffen wir eine Gruppe, die versucht, den Helikopter-Abtransport einer zusammengebrochenen Wanderin zu organisieren.

    Nach quälenden 7 Stunden Aufstieg erreichen wir schließlich den Pass auf 5450 Metern über dem Meer. Der Ausblick ist gigantisch und lässt die Schmerzen schnell vergessen. Zum Leidwesen der Knie folgen weitere 6 Stunden Abstieg bis nach Muktinath, wo wir um 17 Uhr endlich ein Gasthauszimmer beziehen können – hier gibt es dank Straßenanschluss wieder warmes Wasser, Bier und Fleisch.

    Blick auf den Annapurna III

    Blick auf den Annapurna III

    Für uns endet ein wunderbarer Trekk mit dem Tagesmarsch nach Jomson, von wo aus uns eine kleine Propellermaschine für 50 USD nach Pokhara bringt. Andere komplettieren den Rundweg durch einen Teil des ABC-Treks.

    Auch wenn mittlerweile wohl ebenso viele Touristen wie Einheimische auf den Wegen des Annapurna-Massivs unterwegs sind, bleibt eine unvergessliche Zeit garantiert. Nicht nur die landschaftliche Schönheit, sondern auch die Freundlichkeit und oft traditionelle Lebensweise der Dorfbewohner haben großen Eindruck auf mich gemacht. Wer es ursprünglicher will, kann dies nördlich von Muktinath, im Königreich Nordmasgkan haben, das gegen ein stattliches Entgelt von 500 USD lediglich 100 Touristen pro Jahr die Durchreise genehmigt. Andere Treks, wie der Langtang oder Everest Basecamp- Trek verzeichnen noch größere Touristenzahlen. Von den zahlreichen Treks, die ich in Nepals Bergen unternommen habe, kann ich jeden Einzelnen – mit Ausnahme des zu überlaufenden und verschmutzten Everest-Basecamp-Treks – wärmstens empfehlen!

    Reiseinformationen
    Schwierigkeit: Mittel
    Dauer: 10-20 Tage
    Ausgangsort: Besisahar – 3 Stunden Bus oder Minibus ab Pokhara (7 Stunden Bus / 45 Minuten Flug ab Kathmandu)
    Kosten: 15 Euro Tagesetat + 50 Euro Genehmigung + Anreise
    Sherpas: Träger (10 USD / Tag) und Führer (15 USD / Tag) lassen sich problemlos in Pokhara organisieren, sind aber zum Finden des Weges nicht notwendig.

    Kategorie: Trekking | Tags: