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Durch die Stromschnellen des Apurimac

Adrenalin Kick in den Naturgewalten des Apurimac
Von moritzboldt
Nur 100 Kilometer von der boomenden Touristenhauptstadt Cusco entfernt, schlängelt sich der Apurimac Fluss durch die tiefen Schluchten des kargen Hochlandes. Um sich hier ohne sein Leben zu riskieren auf das Wasser zu begeben, bedarf es für Hobby-Rafter professioneller Unterstützung. Die Stromschnellen mit einer Stärke von bis zu 6+ (Skala von 1 bis 6) haben in den vergangenen Jahren auch Touristen das Leben gekostet.
Aus diesem Grund verpflichteten sich die Agenturen, Touristen nur noch Abschnitte mit einer Schwierigkeit von bis zu 5+ raften zu lassen. Wer also seine Geschicklichkeit in einem Gummiboot auf dem Apurimac testen will, der sollte sich an eine der zahlreichen Agenturen wenden, die sich im Zentrum der Altstadt Cuscos angesiedelt haben. Wir entschieden uns für eine dreitägige Tour und wurden nicht enttäuscht.
Früh morgens – Cuscos Plaza de Armas ist noch nicht mit nervigen Souvenirverkäufer gefüllt – verlassen wir die schöne Stadt in einem stark in die Jahre gekommenen Minibus. Während sämtliche Teilnehmer der Tour noch mit Müdigkeit und Kater kämpfen, sind unsere Guides bereits bestens aufgelegt und tanzen zu Hip-Hop-Beats auf ihren Sitzen. Nach drei Stunden Busfahrt erreichen wir den Fluss. Dem Aufblasen der Boote folgt ein erster Kurs im Raften und als die Kommandos sitzen, wird auch das Kentern simuliert. Spätestens jetzt ist die letzte Müdigkeit verflogen. Nach den Todesfällen der letzten Jahre sind die Guides zu richtigen Sicherheitsfanatikern geworden und so kommen auf vier Touristen insgesamt fünf Guides. Ein Cargo Boot transportiert Verpflegung und Zelte, ein Kameramann versucht die spektakulären Momente einzufangen und gleich zwei „Safety-Kajak“ bleiben immer in direkter Reichweite.

Auf dem Bodyboard mitten in den Fluten
Los geht’s! Die Sonne brennt und schon nach wenigen Paddelschlägen steigert sich das Verlangen nach Abkühlung im greifbar nahen Nass ins unendliche. Die ersten Stromschnellen sind eher enttäuschend. Man neigt dazu, sich Raften anhand von Fotos und Videos wesentlich adrenalinreicher vorzustellen als es tatsächlich ist. Selbst in tosenden Stromschnellen der Stärke 4 wirkt das Boot meist stabil. Doch auch die Strecken zwischen den Stromschnellen haben ihren Reiz. Dank der durchschnittlich 5 km/h Fließgeschwindigkeit des Apurimac ziehen die eindrucksvollen Steilhänge der Schluchten wie im Zeitraffer an uns vorbei. Gleich zwei Mal zieht ein Kondor über uns seine Kreise. Zwischendurch wird gebadet.
Als die Sonne hinter den Bergen verschwindet wird es innerhalb weniger Minuten empfindlich kalt und unsere Guides entscheiden, vorzeitig das Lager aufzuschlagen. Wir finden einen bildschönen Strand und beginnen sofort mit dem Feuerholz suchen und schlagen unsere Zelte auf. Keine Stunde später sitzen wir bereits bei einer Tasse Tee am knisternden Lagerfeuer und bewundern den klaren Sternenhimmel.
Noch im Dunkeln brechen wir auf. Die ersten Paddelschläge vertreiben die Kälte aus den Knochen. An diesem Tag demonstriert der Fluss seine Stärke. Nach einigen haarsträubenden Manövern erreichen wir mittags die „Todes-Stromschnelle“, wie sie von unseren Guides genannt wird. Hier ist vor wenigen Monaten eine amerikanische Touristin ertrunken. Folglich sollen wir aussteigen und über die Felsen stromabwärts klettern, während unser Boot von den beiden Guides gelenkt wird. Als alle unten sind, folgen auch die beiden Kajaks. Doch dieses Mal geht etwas schief. Einer der beiden verliert die Kontrolle und wird mit seinem Kopf unter Wasser mehr als eine Minute lang in den reißenden Wassermaßen hin und her geschleudert. Alle schauen machtlos zu, wie er wieder und wieder in dieselbe Stromschnelle gezogen wird. Die Guides fangen an zu schreien. Es hilft nichts. Dann, mit letzter Kraft, schafft er es doch noch sich umzudrehen und der Stromschnelle zu entkommen. Völlig unter Schock wird die Mittagspause angeordnet.
Mit einem Curry im Bauch ist der Schrecken schnell verflogen. Was folgt, ist eine Stromschnelle nach der anderen. Zwei Mal verlieren wir die Kontrolle und kentern. Auch wird uns angeboten, einige Stromschnellen noch unmittelbarer, auf einem kleinen „Bodyboard“ zu erleben.

Sprung von der Klippe
Abends kampieren wir abermals an einem perfekten Sandstrand. Für diesen Abend haben sich die Guides einen Mehrkampf ausgedacht. Die Disziplinen variieren von Steinen zwischen den Pobacken eingeklemmt durch einen Parcours zu befördern bis hin zu einem Wettrennen, nachdem man 18 mal um die eigene Achse gedreht wurde. Mit reichlich Rum schlafen wir schließlich unter freiem Himmel am Lagerfeuer ein.
Auch der dritte Tag beschert uns anspruchsvolle Stromschnellen, umwerfende Natur und Sprünge von einer 10-Meter-Klippe. Warum Rafting Touren auf dem Apurimac weithin so unbekannt sind, dass wir in drei Tagen nur einer anderen Gruppe begegnet sind, kann ich nach diesen eindrucksvollen Tagen beim besten Willen nicht verstehen!
Schwierigkeit: 5+; Anreise: Bus (26 Std.) oder Flugzeug ab Lima nach Cusco; Organisation: Agentur in Cusco; Kosten: 100-150 USD für drei Tage.
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